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Anleihenanteil und Zinsrisiko
Anleihen werden im Rahmen der klassischen Vermögensbildung oft als der ruhige, berechenbare Gegenpol zu schwankungsanfälligen Aktien betrachtet. Sie verbriefen Schulden von Staaten oder Unternehmen und zahlen im Idealfall regelmässige Zinsen aus. Dennoch sind Anleihen keineswegs risikofrei, wie das oft unterschätzte Zinsänderungsrisiko eindrücklich zeigt. Steigen die Marktzinsen, sinken in der Regel die Kurse bereits existierender Anleihen mit niedrigerer Verzinsung, was zu spürbaren Buchverlusten im Depot führen kann. Dieses Zusammenspiel aus Kuponzahlungen, Restlaufzeiten und Zinsentwicklung verlangt auch von konservativen Anlegern ein grundlegendes Verständnis der Mechanismen am Rentenmarkt. Gemäss den Fachinformationen der Verbraucherzentrale zu den Grundlagen der Geldanlage sowie den Dokumenten der BaFin zu Robo-Advice und Unternehmensdatenbanken sollten Anleger die genauen Bedingungen und Risikofaktoren von Anleihen prüfen, bevor sie diese als stabilisierenden Baustein in ihr Portfolio integrieren.
Funktionsweise und Ertragsquellen von Anleihen
Eine Anleihe ist im Kern ein Kredit, den der Anleger an den Emittenten vergibt, sei es ein Staat oder ein Unternehmen. Im Gegenzug verpflichtet sich der Schuldner, über die gesamte Laufzeit hinweg regelmässige Zinsen, den sogenannten Kupon, zu zahlen und am Ende der Laufzeit das geliehene Kapital vollständig zurückzuzahlen. Diese feste Zusage vermittelt vielen Anlegern ein Gefühl von Sicherheit. Die Ertragsquelle setzt sich somit aus den jährlichen Zinszahlungen und etwaigen Kursgewinnen beim Verkauf vor Fälligkeit zusammen. Die Verbraucherzentrale weist in ihren Grundlagen zur Geldanlage darauf hin, dass diese vermeintliche Sicherheit jedoch stark von der Bonität des jeweiligen Schuldners abhängt. Kann der Staat oder das Unternehmen seine Schulden nicht mehr bedienen, droht im schlimmsten Fall der Totalverlust des eingesetzten Kapitals.
Das Zinsänderungsrisiko im Detail erklärt
Das grösste operative Risiko bei festverzinslichen Wertpapieren ist das Zinsänderungsrisiko. Wenn die allgemeinen Marktzinsen steigen, verlieren ältere Anleihen mit niedrigeren Zinskupons an Attraktivität für neue Käufer. Wer eine solche ältere Anleihe vor dem offiziellen Ende der Laufzeit an der Börse verkaufen möchte, muss einen Abschlag beim Preis hinnehmen, da niemand den vollen Nennwert für ein Papier zahlt, das weniger Zinsen abwirft als aktuelle Neuemissionen. Die BaFin betont in ihren Erklärungen zu Robo-Advice, dass digitale Anlagekonzepte dieses Risiko für Rentenfonds permanent überwachen müssen. Anleger, die Anleihen oder entsprechende Fonds bis zum Ende der Laufzeit halten, bekommen den Nennwert zwar meist zurück, spüren die Kursverluste jedoch bei einem vorzeitigen Verkauf unmittelbar im Depot.
Einfluss der Restlaufzeit auf die Volatilität
Die Länge der verbleibenden Laufzeit einer Anleihe ist ein entscheidender Faktor für deren Kursanfälligkeit bei Zinsveränderungen. Papiere mit sehr kurzen Restlaufzeiten reagieren kaum auf Zinsänderungen am Markt, da das Kapital ohnehin bald zurückgezahlt wird und neu angelegt werden kann. Langlaufende Anleihen hingegen reagieren äusserst sensibel auf jede Zinsbewegung der Notenbanken. Schon kleine Zinserhöhungen können hier zu deutlichen Kurssachensprüngen nach unten führen. In Unternehmensdatenbanken der BaFin und in Finanzübersichten wird diese Sensitivität häufig über Kennzahlen wie die Duration ausgedrückt. Konservative Anleger sollten daher genau prüfen, ob sie kurz- oder langfristige Anleihen in ihr Portfolio aufnehmen wollen, je nachdem, wie stark sie Kursschwankungen in Kauf nehmen möchten.
Bonität und Ausfallrisiko des Emittenten
Neben dem Zinsrisiko spielt die Kreditwürdigkeit des Schuldners eine überragende Rolle. Nicht jeder Staat und jedes Unternehmen ist gleichermassen finanzstark. Anleihen von Emittenten mit hervorragender Bonität gelten als äusserst sicher, werfen dafür aber oft nur sehr geringe Zinsen ab. Steigt das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit, fordern Anleger höhere Zinsen, was sich in entsprechenden Risikoaufschlägen niederschlägt. Die Verbraucherzentrale rät dazu, die Bonitätseinschätzungen unabhängiger Ratingagenturen kritisch zu prüfen und sich nicht blind von hohen Zinsversprechen blenden zu lassen. Emittenten in finanziellen Schwierigkeiten bergen stets das Risiko, dass Zinsen ausfallen oder das geliehene Geld am Ende der Laufzeit überhaupt nicht mehr zurückgezahlt wird.
Prüfschritte für den Anleihenanteil
Wer Anleihen als stabilisierenden Baustein in ein überwiegend aus Aktien bestehendes Portfolio einfügt, sollte vorab einige Prüfschritte durchlaufen. Zuerst gilt es zu klären, ob direkt in einzelne Anleihen oder über breit gestreute Rentenfonds beziehungsweise ETFs investiert werden soll. Letztere verteilen das Risiko auf viele verschiedene Schuldner, sind jedoch ebenfalls vom allgemeinen Zinsänderungsrisiko betroffen. Die BaFin empfiehlt in ihren Hinweisen, stets die Kostenstruktur und die durchschnittliche Restlaufzeit der enthaltenen Papiere zu kontrollieren. Zudem sollte geprüft werden, ob der geplante Anleihenanteil im aktuellen Zinsumfeld tatsächlich die gewünschte Schutzfunktion erfüllt oder ob das Risiko durch veränderte Marktbedingungen überwiegt.
Häufige Fragen
Verlieren Anleihen bei steigenden Zinsen automatisch an Wert?
Ja, bestehende Anleihen mit niedrigeren Festzinsen sinken im Kurs, wenn neue Anleihen am Markt mit höheren Zinsen ausgegeben werden und Investoren dorthin abwandern.
Was passiert mit einer Anleihe, wenn ich sie bis zum Ende halte?
Wer eine einzelne Anleihe bis zum regulären Laufzeitende behält, erhält am Ende den vereinbarten Nennwert zurück, unabhängig von den zwischenzeitlichen Kursbewegungen an der Börse.
Sind Rentenfonds sicherer als der Kauf einzelner Anleihen?
Rentenfonds streuen das Risiko auf viele verschiedene Schuldner, was den Totalausfall einzelner Werte abmildert. Sie besitzen jedoch meist kein festes Laufzeitende und bleiben daher dauerhaft dem Zinsänderungsrisiko ausgesetzt.
Quellen und Vertiefung
- Verbraucherzentrale, Vorteile und Nachteile von ETFs
- BaFin, Unternehmensdatenbank
- Verbraucherzentrale, Grundlagen der Geldanlage
Quellen zuletzt geprüft am 20. September 2026. Externe Inhalte können sich ändern.